GEMA plant massive Tariferhöhungen

Laut einem Artikel des Handelsblatts plant die GEMA eine massive Anhebung ihrer Tarife. So sollen die Gebühren für Konzerte um bis zu 600% angehoben werden. Das Rechenbeispiel beim Handelsblatt belegt dies aber nicht in voller Höhe. Dort wird das Beispiel eines Konzerts mit einem Kartenpreis von 45 Euro und 5000 Fans vorgerechnet. Nach alter Ordnung würden 3.369,60 Euro fällig, der neue Tarif laute dagegen auf 18.000 Euro. Das entspricht dem Faktor 5,3 und somit einer Erhöhung um 430% - immer noch deutlich mehr als das, was z.B. die Angestellten der Bahn im aktuellen Tarifstreit fordern. Wenn dann noch die 10% Anteil an Nebenverkäufe wie T-Shirts und Plakaten sowie der Sponsorengelder dazukommen, wie die GEMA dies plant, kommt man sicherlich in den Bereich der 600%.

Jens Michow, Präsident des Veranstalterverbands idkv bezeichnet dies gegenüber dem Handelsblatt als Wucher. Auf die Vorwürfe angesprochen antwortet die GEMA, gekonnt professionell. Die Erhöhung dieses Jahr liege nur bei 14% ab dem 1.2.2009. 2014 erst soll das Ziel erreicht sein, 10% aller Bruttoeinnahmen zu erhalten. Laut GEMA ist die derzeitige Höhe der Konzerttarife unangemessen niedrig. Rechtsprechung und Literatur gingen bei „hoher Musikintensität“ regelmäßig von einer 10%igen Beteiligung des Urhebers an den erzielten Einnahmen aus.
Zur Zeit liegen dieVergütungssätze für Verbandsmitglieder für Konzerte bis zu 3.000 Personen bei 1,9 %, für Konzerte bis zu 15.000 Personen 1,5 % und für Konzerte mit über 15.000 Personen 3,6 % der Kartenumsätze.

Spannend ist natürlich auch die Frage, an wen das eingenommene Geld ausgeschüttet wird. Bei einem T-Shirt oder einem Plakat gibt es immer einen Grafiker oder Zeichner, der das Motiv erstellt hat. Aber sind diese wirklich von der GEMA vertreten?

Der idvk hat laut Handelsblatt jetzt die Schiedsstelle des Marken- und Patentamts angerufen. „Da muss die Gema erst einmal nachweisen, warum man nur drei Jahre nach einer Tariferhöhung neue Tarife wegen Unangemessenheit durchsetzen will.“ Scheitert das Schiedsverfahren, werden die ordentlichen Gerichte angerufen. Solches Verfahren ziehen sich erfahrungsgemäß über Jahre hin, in denen die Veranstalter entsprechende Rücklagen bilden müssen, um auf die Nachzahlung vorbereitet zu sein, oder aber ihre Gelde werden in der Zeit auf Sperrkonten eingezahlt.

Das Vorgehen der GEMA überrascht nicht wirklich, seit Jahren zeichnet sich der Trend ab, dass die Zahl der Konzertbesuche steigt, während die Umsätze mit Tronträgern fällt. Der Verband der deutschen Konzertveranstalter nennt einen Branchenumsatz von 3,8 Mrd. Euro für 2007, davon entfallen 2,8 Mrd. Euro auf Musikveranstaltungen. Der Durchschnittspreis eines Tickets lag bei 33,20 Euro. Das geht von 1,50 Euro für die Nachwuchsband im Jugendclub bis zu mehreren Hundert Euro für die Nobelkarte des internationalen Megastars.

Dieser Trend bestätigt die Aussagen, die von Musiknutzern im Internet immer wieder zu lesen sind: Musik wird probeweise heruntergeladen und bei Gefallen werden Konzerte besucht und dort Fan-Artikel wie Poster und T-Shirts gekauft.

Magnatune: Musikflaterate zur Umsatzsteigerung

In dem Zusammenhang ist es auch interessant, sich eines der neuen Modell auf dem Musikmarkt wieder anzuschauen: Magnatune. Dort wurde Mitte letzten Jahres parallel zu den bereits bestehenden Zahlungsmodellen (Kauf einer CD bzw Bezahlung eines Downloads) eine Streaming- und eine Download-Flatrate eingeführt. Ab 5$ bzw. 10$ kann der Kunde so viel Musik konsumieren, wie er möchte.

Davon waren einige Musiker nicht umbedingt begeistert, so dass im November John Buckman in seinem Blog diesen Schritt nochmal erklärte. Nach einem halben Jahr konnte er darlegen, dass nur 5% der Kunden dieser Flatrates sie zum „Sparen“ ausnutzen, indem sie die Flatrate buchen, alle Alben die sie interessieren herunterladen und danach wieder abbestellen. Die Verkäufe von einzelnen Alben sind sogar gleich geblieben, so dass im Schnitt für die Künstler deutlich von dieser zusätzlichen Einnahmequelle profitieren.


Gepaart mit dem Aufruf von John, dieses Modell zu unterstützen und so die ehrlichen Kunden zu belohnen, statt zu versuchen sie mit DRM zu gängeln, kommen wir zurück zur GEMA. Deren Einnahmen lagen 2007 bei ~850 Millionen Euro, gegenüber dem Vorjahr, das unter anderem durch die Fußball-WM für höhere Umsätze gesorgt hatte, ein geringer Rückgang. (Die Zahlen für 2009 sind leider noch nicht veröffentlicht) Seit 1998 hingegen entspricht das einem Zuwachs von 13,4%.

Wie sich die Forderungen der GEMA auf die Ticketpreise auswirken könnten, sei zum Abschluß noch an dem Beispiel des Konzerts mit 5000 Besuchern und 45€ Eintritt gezeigt. Über die Karten nimmt der Veranstalter 225.000€ ein. Bisher waren dafür ~ 3.500 Euro fällig, bleiben also 221.500 für den Veranstalter übrig. Mit der Zielmarke von 10% müsste er 22.500€ bezahlen, bleiben 202.500€, macht einen Verlust bei ihm von 19.000€. Um dies zu kompensieren, müsste der Ticketpreis um ~4€ angehoben werden. Bleibt abzuwarten, ob die Konzertbesucher dies einfach zu hinnehmen werden.